Der Fischkopf

Vor ein paar Tagen war ich beim Einkaufen. Mein Plan war, mal wieder einen schönen Fisch zu machen. Mit viel Knoblauch und Kräutern. Und dazu einen Brokkoli-Kartoffelbei. Mein Weg führte mich nach dem Obst- und Gemüsebereich direkt zur Frischetheke des Supermarktes meines Vertrauens. Nachdem mich die freundliche Verkäuferin am Fleisch, an der Wurst und schließlich beim Käse bedient hatte, kamen wir zum Fisch. Montag und Donnerstag gibt es diesen immer ganz frisch. Vor mir lag ein großer Lachs – er sah so frisch aus, als ob sie ihn direkt aus dem Wasser gefischt hätten. Nicht der Supermarkt, sondern irgendwer, der dafür verantwortlich ist. Genau von diesem Lachs wollte ich drei schöne Stücke. Ich bemerkte, dass die Dame hinter der Theke etwas unruhig wurde. Was denn los sei, fragte ich sie. Ob sie Angst hätte, dass er sie anspringe, hakte ich amüsiert nach. Ich könne ja zu ihr hinter die Theke kommen und sie bei Bedarf retten.
„Sie werden lachen“, meinte sie, „aber ich hatte da so ein traumatisches Erlebnis. Vor Jahren bat mich mein damaliger Chef, dass ich den gerade gelieferten und bereits ausgenommenen Fisch in die Kühlung bringe. Und als ich dort hineinkam, sprang plötzlich einer von ihnen aus der Kiste. Ich hatte so einen Schock!!! Die Die haben manchmal noch so Zuckungen obwohl sie gar nicht mehr leben.“

Da wäre ich aber auch erschrocken…
Nun, das dürfte auch der Grund sein, weshalb sie es nicht so mit den Fischen hatte. Ehrfürchtig betrachtete sie das Objekt, das vor ihr lag.

Ich wartete.
Aber es geschah nichts.
Ich wartete weiter.
„Ich muss mir da Hilfe holen, denn ich weiß gar nicht, wo man den Kopf abschneidet.“
Aha, das schien für sie Neuland zu sein …
Hilfe kam sogleich in Form eines netten Mannes, der ihr erklärte, wo sie den Schnitt ansetzen musste.
Nachdem sie den Kopf mehr oder weniger fachmännisch abgetrennt hatte, legte sie ihn angewidert beiseite und schnitt mir drei Stücke aus dem Lachs. Anschließend bot sie mir an, dass sie mir den Fischkopf schenken würde, wenn ich wollte. Dann wäre sie ihn los.
„Wofür denn?“ Fragte ich nachdenklich.
„Na, für eine Fischsuppe beispielsweise“, versuchte sie ihm mir schmackhaft zu machen.
Eigentlich keine schlechte Idee.
„In Ordnung. Dann nehme ich ihn gerne mit.“
Sichtlich erleichtert packte mir die Verkäuferin den Fisch samt Kopf ein, ich bedankte mich und zog weiter.

Am nächsten Tag stand ich zeitig auf, so dass ich vor der Arbeit noch alles für die Fischsuppe vorbereiten konnte. Den großen Fischkopf gab ich mit Gemüse, Wasser und Wein in den Kochtopf, damit er die nächsten Stunden vor sich hinkochen konnte. Und dann arbeitete ich.
Des Weges kam meine Tochter und fragte mich, was es denn heute zu Essen gäbe.
„Fischsuppe – mit Meeresfrüchten“, erklärte ich ihr.
Neugierig ging sie in die Küche und öffnete den Kochtopf. Der Kopf des verblichenen Lachses glotzte sie direkt aus trüben Augen an.
Entsetzt kam sie wieder zu mir an den Schreibtisch.
„Ich esse KEINE Fischsuppe! Das ist ja widerlich!“
Hallo?! Wer wird denn hier so zimperlich sein?
„Hey! Das, was ich mache, ist eine Delikatesse.“
Sie schüttelte entschieden den Kopf und marschierte in ihr Zimmer.

Mittags machte ich dann die Fischsuppe fertig. Mit Meeresfrüchten, Wein, Knoblauch, Chili und Gemüse. Ein wunderbarer Duft zog durch das Haus, der an Meer, Sommer, Sonne und Strand erinnerte. Als ich zum Essen rief, ließen sich die Kinder in der Tat nicht lange bitten. Selbst meine Tochter, die den Fischkopf scheinbar vergessen hatte, aß genüsslich von der Suppe.

Und hier das Rezept der Suppe:

Fischsuppe mit Meeresfrüchten

Zutaten:

  • 800 g Meeresfrüchte (Shrimps, Muscheln, etc.) und frische Fischfilets (feste Fischsorten wie Pangasius, Rotbarben und Kabeljau)
  • 1-2 Karotten, in dünnen Scheiben oder in Würfeln
  • 1 kleine Gemüsezwiebel, gewürfelt
  • ½ Stange Lauch, fein in Ringe geschnitten
  • 3 Zehen Knoblauch, klein gehackt
  • 10 Cocktailtomaten, halbiert
  • ein wenig Chili getrocknet
  • 2 EL Kräuterbutter oder Butter
  • etwas Krebspaste (oder Hummerpaste)
  • 300 ml Fischfond
  • 200 ml Wasser
  • 200 ml Weißwein
  • etwas Salz und Pfeffer
  • etwas Koriander

Zubereitung:

  1. Das Gemüse bis auf die Tomaten in der Kräuterbutter anschwitzen. Mit gut 200 ml Weißwein ablöschen und etwas einkochen lassen. Fischfond und Wasser dazugeben. Krebspaste zufügen. Mit Salz, Pfeffer und Chili abschmecken. Alles zusammen kurz aufkochen lassen.
  2. Jetzt die Meeresfrüchte und Fischfilets (in mittelgroßen Stücken) dazugeben und alles zusammen auf mittlerer Temperatur 15 Minuten ziehen lassen. Kurz vor Ende die Cocktailtomaten dazugeben.
  3. Koriander extra dazu reichen.

Und hier geht es zum Download.

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